
Frisch EIN-graviert beim Bremer Fahrradfestival = Gut geschützt
1996 hat der ADFC beim Bremer Fahrradfestival erstmals ein Fahrrad in Bremen codiert. Es war das Dienstrad des damaligen Bremer Polizeipräsidenten.
Seither haben Polizei, ADFC und Fahrradhändler zig-tausend Fahrräder nach dem sogenannten „EIN-Code“ graviert*, das heißt mit einer „Eigentümer-Identifizierungs-Nummer“ versehen.
Eigentümerdaten verschlüsselt in den Rahmen zu gravieren wurde somit zum Standard.
Das Verfahren hat bundesweit die Innenministerkonferenz 1997 mit ihrer Empfehlung als Maßnahme gegen Fahrraddiebstahl sozusagen geadelt.
* den Code maximal 0,2 mm tief in den Rahmen „einritzen“
Der EIN-gravierte Code
Der EIN-Code kann leicht entschlüsselt und ein aufgefundenes Rad seinem Besitzer zurückgegeben werden. Das dafür notwendige Straßenverzeichnis ist allen beteiligten Stellen zugänglich. Da codierte Räder die Initialen des Eigentümers tragen, ist auch ein „Grobcheck“ auf dem Flohmarkt möglich. Das macht EIN-codierte Räder für Diebe uninteressant. Zusätzlich erschwert die Gravur des Codes den Verkauf gestohlener Fahrräder, da sich diese kaum entfernen lässt.
Die Registrierung
Seit dem Frühjahr 2009 ist die Bremer Polizei, wie zuvor in den „Fahrradhochburgen“ Oldenburg und Münster, dazu übergegangen, Räder zu registrieren anstatt zu codieren. Dies soll „zu einem noch besseren Diebstahlschutz führen“, so die Polizei.
Das Fahrrad erhält einen Aufkleber mit einer beliebigen fortlaufenden Nummer. Gleichzeitig werden in einer polizeilichen Datenbank Eigentümer- und Fahrraddaten erfasst (u.a. Rahmennummer wie sonst in einem „Fahrradpass“). Die Polizei kann dadurch nach eigener Einschätzung wesentlich mehr Fahrräder gegen Diebstahl schützen. Ein fertig nummerierter Aufkleber ist schneller angebracht als ein individuell zu ermittelnder und zu gravierender Code. Das Verfahren ist für die Bürger kostenlos.
Die Fragen
Seine Robustheit muss der Aufkleber noch in der Praxis beweisen, denn das Material dürfte sowohl mechanischen Entfernungsversuchen als auch Heißluft oder Lösungsmitteln kaum dauerhaft widerstehen können. Die Polizei verspricht aber, durch die zusätzlich registrierten Fahrraddaten sichergestellte Fahrräder ihren BesitzerInnen wieder zuordnen zu können.
Ein weiterer Nachteil der neuen Registrierung gegenüber dem EIN-Code ist die erforderliche polizeiliche Datenbank, die in
den Revieren bedient und gepflegt werden muss. Bisher handelt es sich um regionale Insellösungen für jede Stadt. Von einer bundesweiten Vernetzung ist bislang nicht die Rede.
Das Fazit des ADFC
ADFC-Technik-Experte Wolfgang Reiche: „An erster Stelle gegen Fahrraddiebstahl steht ein gutes Schloss.
Und natürlich ist Registrieren besser als Nichtstun.
So lange jedoch die Fahrradindustrie keine weltweit gültige Rahmennummerierung verwendet, bietet für den ADFC die Gravur des EIN-Codes in den Fahrradrahmen die größtmögliche dauerhafte Sicherheit.
In Fällen, wo eine Gravur nicht möglich oder unerwünscht ist, empfiehlt der ADFC die Klebeetiketten. Zum Beispiel bei Kinderrädern, deren Rahmen häufig für die Gravurmaschine zu klein sind. Und bei Rahmen aus Carbon verbietet das Material eine Gravur.“
ADFC Bremen und Oldenburg prüfen derzeit die Möglichkeit, alternativ zur Gravur ein Klebeetikett mit EIN-Code anzubieten. Dann kann der Kunde wählen, wie er sein Rad sichern möchte.
Reiche: „Der einheitliche EIN-Code ist anerkannt sicher, unbürokratisch und dauerhaft. Nur sollte der einzige Nachteil des EIN-Codes beseitigt werden: Er wird bislang nur in Deutschland benutzt.“ Weitere Infos zur Fahrradcodierung und zum Diebstahlschutz bietet der ADFC auf www.adfc.de
Aktuelle Codiertermine in der Region sind auf www.adfc-bremen.de.
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Foto oben: Hannah Grundey
Foto unten: Gernot Lucks