Handelskammer: „beharren und verrinnen“ statt „wagen und winnen“

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Der ADFC Bremen Vorsitzende Ludger Koopmann antwortet dem Präses der Handelskammer Bremen, Lutz H. Peper, in einem Offenen Brief zu dessen Äußerungen unter dem Titel „Der Senat handelt bösartig“ im Weser-Report vom 4.10.2009

Sehr geehrter Herr Peper,

im Weser-Report vom 4.10.09 werden Sie mit Aussagen zu verkehrspolitischen Vorstellungen der Handelskammer Bremen zitiert. Wir gehen davon aus, dass Ihre Einschätzungen zur Bremer Verkehrspolitikkorrekt wiedergegeben wurden.

Mit Verwunderung haben wir Ihre Ausführungen zur Kenntnis genommen.

Der ADFC, der in Bremen rund 3000 Mitglieder vertritt und die Förderung des Radfahrens zum Ziel hat, teilt Ihre Auffassungen nicht.

Sie sprechen im Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen an der Kurfürstenallee und der Richard-Boljahn-Allee von „geplanten Verkehrsbehinderungen“ und bezeichnen diese als Beispiel für das „Ummodeln Bremens zu einer Fahrradstadt“.

Wir verwahren uns dagegen, dass das ernsthafte Bemühen vieler Menschen dieser Stadt eine Klima schonende, Menschen gerechte und Barriere freie Verkehrsplanung zu realisieren, mit solchen Begriffen wie „ummodeln“ disqualifiziert wird. Nicht nur der Klimawandel zwingt uns zu neuen Verkehrskonzepten, sondern auch die absehbare Verknappung der Erdölreserven. Nur Städte, die diesen Faktoren Rechnung tragen, werden für die Zukunft wirtschaftlich gut und nachhaltig aufgestellt sein. Bremen ist mit seinem ÖPNV und derzeitigen Radverkehrsanteil von 25% zwar auf dem richtigen Weg, aber vom Ziel leider noch weit entfernt.

Anders als von Ihnen postuliert, dienen die genannten Straßen nicht nur zur Generierung von Käuferströmen nach Bremen. Sie dienen ebenso dazu, wie übrigens andere Straßen auch, dass die Bremer die großen Einkaufszentren im Umland anfahren können.

In diesem Zusammenhang möchten wir daran erinnern, dass in den vergangenen Jahrzehnten etliche Menschen von Bremen ins niedersächsische Umland gezogen sind – von denen heute die meisten die genannten Straßen als Pendlerstrecken benutzen.

Die Einkommenssteuer der Pendler bleibt im Umland, während Bremen seine Wohnqualität durch den Ausbau solcher Trassen weiter abbaut. Diese Ein- und Ausfallstraßen sind daher aus wirtschaftspolitischer Sicht mit einigen Fragenzeichen zu versehen.

Ihre Berechnung des volkswirtschaftlichen Schadens ist nicht plausibel. Abgesehen davon, dass in Ihrer Rechnung anscheinend selbst am 1. Weihnachtstag genauso viele Autos fahren wie an Werktagen und zudem ein merkwürdig niedriger durchschnittlicher Stundenlohn (7, 50 Euro) angesetzt wird, geht die Berechnung von falschen Prämissen aus und ist zynisch gegenüber den Anwohnern.

Der gesamte Straßenzug ist von Wohnhäusern gesäumt. Die Bewohner müssen folglich den ganzen Tag und die ganze Nacht den Lärm der Autos ertragen. Drei Minuten Rücksichtnahme der Autofahrer erscheinen da nicht zu viel verlangt.

Ihre Forderung nach dem Einbau von Fahrstühlen für Gehbehinderte ist unter dem Aspekt Ihrer fortwährenden an den Senat gerichteten Sparappelle nicht nachvollziehbar und würde viele Probleme nicht lösen.

Die vom Verkehrssenator geforderten nächtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen sind auf anderen Autobahnen in und neben Ballungsgebieten üblich und gelten dort in der Regel auch tagsüber. Beispiel Ruhrgebiet: Bei einer Vielzahl von Autobahnabschnitten gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 70 und 100 km/h. Gleiche Regelungen bestehen in anderen europäischen und nordamerikanischen Ballungsgebieten. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind dort seit Jahrzehnten üblich und in der Regel deutlich rigider.

Der Abriss der Hochstraße ist keine „Schnapsidee“, sondern schafft enorme stadtgestalterische, aber auch wirtschaftliche Vorteile für die Stadt.

Nach dem Abriss der Hochstraße bestünde endlich die Gelegenheit, die Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt für täglich tausende Fußgänger (Kunden) und Radfahrer (Kunden) wieder zu öffnen und freundlicher zu gestalten.

Eine Großstadt fahrradfreundlicher zu machen ist kein „ummodeln“, sondern eine zukunftsträchtige Verkehrspolitik zum Vorteil aller Menschen, einschließlich der an der Wirtschaft beteiligten Akteure in der Stadt.

Während dieses in Städten wie z.B. Kopenhagen und Groningen längst weit vorangebracht worden ist und Städte wie Paris und New York dieses mit großem Engagement anstreben, befürchtet die Handelskammer immer noch den Untergang des Abendlandes durch das Fahrrad.
Dieses sagt mehr über die ideologische Voreingenommenheit und damit letztendlich über die innovationsabträgliche Haltung der offiziellen Vertreter der Handelskammer aus als über das Fahrrad und die fahrradfreundliche Stadt. Der häufig zitierte Wahlspruch „waagen und winnen“ wird so zu „beharren und verrinnen“.

Der ADFC Bremen wird sich auch weiterhin im Verkehrsbereich für möglichst ökologische, nachhaltige, Menschen gerechte und Barriere freie Lösungen einsetzen. Verkehrspolitische Planungen, die dieses unberücksichtigt lassen, sind nicht geeignet, eine zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen – und folglich auch keine Basis für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

Der Fuß- und Radverkehr sowie der ÖPNV muss deshalb ggf. auch zulasten des Autos weiter gefördert werden. Unabhängig von Parteizugehörigkeiten wird der ADFC im Verkehrsbereich auch weiterhin Politiker unterstützen, die die Verkehrspolitik in diese Richtung voranbringen wollen. Selbstverständlich ist uns auch an einer Zusammenarbeit mit der Handelskammer gelegen. Der ADFC arbeitet schon seit vielen Jahren erfolgreich – im Interesse beider Seiten – mit einer Reihe Bremer Firmen aktiv zusammen.

Da Sie Ihre Vorstellungen über die Presse veröffentlicht haben, haben wir dieses Schreiben als offenen Brief formuliert.

Mit freundlichen Grüßen,

Ludger Koopmann
ADFC Bremen
- Vorsitzender -


Bremerhavener Stadtnotizen – Gestörte Verhältnisse

Donnerstag, 15. Oktober 2009
Engpass - Einsendung von Christoph Depenbusch beim ADFC- Cartoonwettbewerb zur Fahrradwoche 2009 im Roland- Center, Bremen- Huchting

"Engpass" - Einsendung von Christoph Depenbusch beim ADFC- Cartoonwettbewerb zur Fahrradwoche 2009 im Roland- Center, Bremen- Huchting

Es ist unangenehm kühl, leichter Nieselregen setzt ein. Gegen neun Uhr befahre ich von Speckenbüttel kommend die Langener Landstraße in südlicher Richtung – mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn. Der Berufsverkehr ist schon abgeklungen und nur einige Nachzügler wählen mit mir zusammen diesen Weg in die Stadt. Gleich an der ersten Kreuzung beginnt der Fahrer eines Wagens aufdringlich zu hupen. Stört es ihn, dass ich vor ihm an der roten Ampel stehe? Bis zur Stadtmitte werde ich insgesamtvon sechzehn Autofahrern angehupt und zum Teil auch angepöbelt.

Unwissend oder ohne Verstand?

Auf den Gedanken, dass Radfahrer nicht die viel zu schmalen, kaputten und dreckigen Radwege benutzen möchten, kommen viele Autofahrernicht.

Auch verstehen manche nicht, dass viele Bordsteinradwege durch Poller, Schilder, Pfosten, Fußgänger, Mülltonnen, Baustellen und parkende Autos schlicht versperrt sind.

Auch wenn ein benutzungspflichtiger Radweg vorhanden ist, muss er nicht unbedingt befahren werden.

Und dass Radfahrerbei einem nicht benutzungspf lichtigen  Radweg wählen dürfen, ob sie diesen oder die Fahrbahn benutzen wollen, wissen viele auch nicht.

Endlich Ruhe!
Als ich am späten Vormittag zurück nach Speckenbüttel fahre, allerdings diesmal nicht über die Hauptstraßen, sondern durch das Wohngebiet Eckernfeld, gibt es kein Gehupe.  Nicht etwa, weil ich dort auf Radwegen fahren würde, nein, weil es dort keine gibt.

Christian Peters


Straßenverkehrsordnung novelliert: Radfahrer gehören auf die Straße!

Freitag, 9. Oktober 2009

Seit 1. September 2009 bringt eine Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) Verbesserungen für Radfahrer. Albrecht Genzel, Verkehrsexperte des ADFC Bremen, begrüßte die Gesetzesänderungen in Radio Bremen als einen Schritt in die richtige Richtung: „Wir beurteilen das durchgängig positiv, weil die Radfahrer als Fahrzeugfahrer wahrgenommen werden, während sie vorher in der StVO nur so als ‘Fußgänger Komma Radfahrer’ erwähnt wurden. Ist das jetzt eine andere Sicht. Wir hoffen, dass das jetzt auf die Verkehrsteilnehmer allgemein so wirkt, dass Radfahrer nicht die rollenden Fußgänger sind, sondern sich eben geschwindigkeitstechnisch eher dem Autoverkehr angeglichen haben.“

Autofahrer werden sich darauf einstellen müssen, dass in Zukunft mehr Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind. Denn eine wesentliche Neuerung ist, dass nicht mehr bevorzugt Radwege angelegt werden. Der bereits 1997 eingeführte Radfahrstreifen auf der Fahrbahn ist zukünftig dem Radweg gleichgestellt. Bundesvorsitzender Karsten Hübener: „Das Vorurteil, der Radweg sei für die Radfahrer immer am sichersten, wird endlich ausgeräumt. Radfahrer sind auf Radwegen oftmals schlecht zu sehen, was vor allem an Kreuzungen und Einfahrten gefährlich ist. Die Verkehrsplanung wird nun mehr den Bedürfnissen der Radfahrer angepasst.“ Die Radwegebenutzungspflicht ist zwar nicht generell abgeschafft, soll aber auf ein erforderliches Maß beschränkt werden.

Zukünftig gelten Ampeln für die Fahrbahn auch für Radfahrer. Nach Fußgängerampeln mit ihren kurzen Grünphasen müssen sie sich dann nicht mehr richten. Sind Radfahrer auf Radwegen oder Radfahrstreifen unterwegs, sind dort vorhandene Fahrradampeln weiterhin zu beachten.

Die ebenfalls geänderten Verwaltungsvorschriften zur StVO werden Radfahrern Umwege ersparen. Einbahnstraßen können nun leichter für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet werden. Sackgassenschilder können künftig ganz offiziell mit einem Aufkleber gekennzeichnet werden, der zeigt, dass ein Durchkommen für Radfahrer oder Fußgänger möglich ist.

Auch der Berliner ADFC Landesvorsitzende zeigt sich optimistisch über die positiven Wirkungen der neuen StVO in einem Interview im Berliner Radio EINS:

Interview


Autofreier Tag – der Film!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Am Freitag, 2. Oktober 2009 wird um 18:08 Uhr im Regionalsender Radioweser TV ein Film zum Autofreien Tag am ersten Septembersonntag in der Bremer Innenstand gesendet.

Der ambitionierte Filmemacher und Fahrradfan Werner Bartsch scheute kein Risiko um Programmpunkte wie Rhönradturnen und BMX-Rampen-Shows dafür aufzunehmen.

Selbst bei der ADFC-Riesenradtour war er mit seiner Einhandkamera dabei und interviewte den ADFC-Vorsitzenden Ludger Koopmann wie auch den Bremer Umweltsenator Dr. Reinhard Loske.

Der Filmbeitrag dauert 22 Minuten und gibt einen wunderbaren Rückblick auf den ersten Autofreien Sonntag unter dem Motto „Freie fahrt für’s Klima!“

Radioweser TV wird in Bremen und Umland über Kabelkanal 12 und über TV-Stream gesendet.


Was versprechen Politiker den Radfahrern?

Montag, 7. September 2009

Der Rad-Spannerei Blog aus Berlin hat sich die Mühe gemacht, unterschiedliche Parteiprogramme danach zu durchsuchen, welche Aussagen zum Thema Fahrrad und allgemein zum Verkehr und zur Mobilität gemacht werden. Dürftig ist das Resultat:

CDU: Im Regierungsprogramm der CDU kommt das Wort Fahrrad nicht vor. Stattdessen setzt die CDU auf eine bessere Verkehrsinfrastruktur und auf eine bessere Motorentechnik. (…)

SPD: Auch für die SPD spielt das Auto eine zentrale Rolle. Darüberhinaus setzt sich die SPD dafür ein, dass öffentlicher Personennahverkehr, Radverkehr und Fußgänger in unseren Kommunen gleichberechtigt behandelt werden. (…)

FDP: Wenn sich die Visionen der FDP durchsetzen, dann werden unsere Städte in Zukunft mit Elektroautos geflutet. (…)

Die Grünen: Die Grünen fordern flächendeckende Tempo-30-Zonen, Shared Space, eine fahrradfreundliche StVO und Fahrradstationen an Bahnhöfen. (…)

Die Linke: Die Linke will, das der Radverkehr erheblich gefördert wird. (…)

Soweit die Zusammenfasssungen im Rad-Spannerei Blog.

Die Aussagen in den Parteiprogrammen waren dem ADFC wesentlich zu dünn. Darum hat der ADFC für die Bundestagswahl am 27. September 2009 eine Liste von Wahlprüfsteinen erstellt. Wie verhalten sich unsere Bundestagsabgeordneten und Kandidaten aus Bremen/Bremerhaven dazu? Die Stellungnahmen der Parteien zu den Fragen des ADFC wurden auf adfc-bremen.de veröffentlicht.

Welche Perspektive haben Politiker für den Radverkehr?

Welche Perspektive haben Politiker für den Radverkehr?

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Foto gefunden im Milano Fixed Archiv

Sonntag, 6. September: ADFC Demo auf der Autobahn

Samstag, 5. September 2009

Am 6. September 2009 startet die ADFC-Hochstraßentour um 14 Uhr ab Hauptbahnhof Bremen über die B 6 und die A 281.

mehr dazu HIER

Und weils terminlich gut passt der Aufruf zur Fahrraddemo in Sao Paolo:

Solidarische Grüße und gutes Gelingen auch den Radfahrer/innen in Brasiliens Hauptstadt!

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Grafik: apocalipse motorizado

Ist Bremen fahrradfreundlich?

Dienstag, 26. Mai 2009
Senator Dr. Reinhard Loske (links) und ADFC-Vorsitzender Ludger Koopmann vor den zusätzlichen Fahrradständern in der Martinistraße.

Senator Dr. Reinhard Loske (links) und ADFC-Vorsitzender Ludger Koopmann vor den zusätzlichen Fahrradständern in der Martinistraße.

Im Rahmen des „Fahrradfreundlichen Kirchentages“ wurden vom 20. bis 24 Mai insgesamt 2.000 temporäre, zusätzliche Fahrradparkplätze eingerichtet: 1.000 Plätze rund ums Messegelände und weitere 1.000 in Innenstadt und Überseestadt. Auch in der Martinistraße waren zwei Fahrspuren gesperrt, sodass über 300 Fahrräder an diesem zentralen Platz sicher parken konnten.

Jetzt gehören die leicht transportablen Fahrradständer der Freien Hansestadt Bremen. Gemeinsam mit den Ortsämtern will der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa entscheiden, wo die Fahrradständer dauerhaft aufgestellt werden. ADFC-Vorsitzender Ludger Koopmann: „Ich freue mich, dass die Bremer Radfahrerinnen und Radfahrer endlich mehr sichere Fahrradparkplätze bekommen“.

Der Fahrradfreundliche Kirchentag war auf Initiative des ADFC Bremen, der Kirchentagsorganisatoren und des Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa entstanden. Unter anderem wurden vom 20. bis 24. Mai 1000 eigens hergestellte Kirchentagsräder bereitgestellt und verkauft. Zusätzlich standen 600 gebrauchte und aufgearbeitete Leihräder zur Verfügung, es gab einen fahrradfreundlichen Kirchentagsstadtplan und vieles mehr. Das Projekt „Fahrradfreundlicher Kirchentag“ wurde Anfang Mai in Berlin mit dem Deutschen Fahrradpreis „best for bike“ ausgezeichnet.

Ob Bremen auch ohne den Kirchentag eine fahrradfreundliche Stadt sei, wurde Wilhelm Hamburger, Referent für Radverkehr des Bremer Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa von der regionalen Fahrradzeitung pedal gefragt. Dazu äußerte er sich ausführlich:

In Bremen immer willkommen: Rad fahrende Gäste

In Bremen immer willkommen: Rad fahrende Gäste

Die Gastgeberstadt des Kirchentags fährt Fahrrad …

Radfahren hat in Bremen eine lange Tradition. Die BremerInnen legen 22 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück.
Damit liegt Bremen an der Spitze aller deutschen Großstädte über 500.000 Einwohner. 350 000 Radfahrten pro Tag prägen Bremen als Fahrradstadt”.


… hat über 650 Kilometer Fahrradwege

Bremen verfügt über eines der dichtesten Radwegenetze überhaupt: 650 Kilometer ausgewiesene Radwege, davon 84 Kilometer abseits von Straßen und zusätzlich zahlreiche Verbindungen auf Wegen ohne nennenswerten Autoverkehr.
Diese Infrastruktur ist über Jahrzehnte gewachsen. Als andernorts Radwege zugunsten von Kfz-Spuren und Parkplätzen zurückgebaut wurden, hat Bremen neue Radwege gebaut. Viele der Planer und politischen Entscheidungsträger sind selbst alltägliche Fahrradnutzer. Prominentestes Beispiel dürfte wohl nach wie vor der ehemalige Bürgermeister Henning Scherf sein.


...öffnete früh Einbahnstraßen für Radfahrer

Bremen hatte zu Beginn der 80er Jahre eine Vorreiterrolle bei der Öffnung von Einbahnstraßen für gegenläufigen Radverkehr und bei der Einführung der Fahrradstraße. Inzwischen wurden  in fast allen Tempo-30-Gebieten die Einbahnstraßen geöffnet.
Zusätzlich gibt es über 20 Fahrradstraßen.


…hat die Fahrradparkplätze im Blick

Die Bremer Landesbauordnung schreibt bei Wohn- und Geschäftsbauten die Einrichtung von Fahrradstellplätzen vor, abhängig von der geplanten Nutzung. Die Parkhausgesellschaft  BREPARK richtete in und an Parkhäusern Fahrradstellplätze ein.
Am Hauptbahnhof hat die BREPARK 2003 die Fahrradstation und ein Fahrradparkhaus mit insgesamt fast 2.000 bewachten Plätzen erbaut. Der ADFC Landesverband betreibt inzwischen diese Radstation gemeinsam mit einem Fachhändler für den Reparatur- und Verleihservice. Das gilt auch für die 2008 eröffnete  Radstation am Bahnhof Vegesack.
Im Stadtgebiet stehen mehrere Tausend öffentliche, leicht zugängliche Fahrrad-Anlehnbügel, an die beide Laufräder und
der Rahmen anschließbar sind.


…sorgt für Orientierung

Ende 2005 kam der aktualisierte Radverkehrsplan in den Buchhandel und ist als Radroutenplaner auch im Internet verfügbar. Über www.bremen.de und über www.verkehrsinfo.bremen.de sind die Informationen zum Fahrradfahren in Bremen abrufbar.


… kann immer noch fahrradfreundlicher werden.

Dass es auch in Bremen Schwachstellen in der Infrastruktur gibt, soll nicht verschwiegen werden. Für manche Sanierung fehlt das Geld. Es gibt natürlich auch unterschiedliche Auffassungen darüber, was für die Fahrradfahrer am besten wäre.
Dass der Radverkehr bei Planungen vergessen wird, kann in Bremen allerdings kaum passieren.
Manchmal darf Bremen allerdings noch etwas innovativer werden: Positive Beispiele sind die Radfahrstreifen in der Wachmannstraße und in der Hamburger Straße. Das Erreichte sollte und wird immer wieder Ansporn sein, es zu übertreffen.


Auch und gerade aus Anlass des heute stattfindenden „Tag der Nachbarschaft“ sei der Wunsch Wilhelm Hamburgers hervorgehoben: Die fahrradfreundlichen Errungenschaften in der Stadt Bremen sollen Ansporn zu Besserem sein. Denn in Straßen mit mehr menschlichem Begegnungsraum und weniger motorisiertem Verkehr, haben die Anwohner/innen laut einer Studie der  University of the West of England bis zu 75% mehr Freunde.

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Foto oben: Senats-Pressestelle
Foto unten: Hannah Grundey

Grußwort des Bundesministers Wolfgang Tiefensee zum fahrradfreundlichen Kirchentag

Mittwoch, 20. Mai 2009

Aus dem gesamten Bundesgebiet kommen heute Reisende per Fahrrad zum Kirchentag in Bremen. Begleitet werden sie von erfahrenen Tourenleiter/innen des ADFC. Von Achim, Syke, Delmenhorst und Lilienthal aus startet die letzte zwei- bis dreistündige Etappe gen Bremen (Uhrzeit/Startort siehe hier). Heute um 11.45 Uhr werden die Anreisenden am Osterdeich in Höhe der Tiefer an der Weser von Bremens Umwelt- und Verkehrssenator Reinhard Loske, dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen sowie dem Komponisten, Sänger und Musiker Fritz Baltruweit begrüßt. „Wir freuen uns bereits auf zahlreiche radelfreudige Gäste und rechnen bei gutem Wetter mit mehr als 500 Teilnehmern“, schätzt Ludger Koopmann, Vorsitzender des ADFC Landesverbandes Bremen.

Aus Berlin sendet auch der Bundesminister Wolfgang Tiefensee seine besten Wünsche für den fahrradfreundlichen Kirchentag:

Der Klimawandel und die Endlichkeit der Erdöl-Vorräte stellen uns vor immer größere Herausforderungen. Das zentrale Element einer umweltfreundlichen  Verkehrspolitik muss daher sein, Energie effizienter zu nutzen und den Ausbau und die Verwendung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Aber das allein  reicht nicht aus! Wir müssen auch für eine Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens werben.

Ich danke dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag ganz herzlich, dass er sich dieses Themas so vorbildlich annimmt. Er lädt die Menschen ein, ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, indem sie zum Beispiel umweltverträglich nach Bremen anreisen.

Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) will der fahrradfreundliche Kirchentag außerdem seine Gäste mit einer Vielzahl von  Serviceangeboten zum Fahrradfahren anspornen. Wenn alle mitmachen, können die mit einer Großveranstaltung verbundenen Umweltbelastungen erfolgreich reduziert werden. Der diesjährige Kirchentag kann so Vorbildcharakter für künftige Großveranstaltungen haben. Mit der fahrradfreundlichen Ausrichtung des Kirchentages in Bremen bekommt das Selbstverständnis der Veranstalter, eine „Kirche in Bewegung“ zu sein, somit eine neue Bedeutung.

Es ist ein besonderes Anliegen der Bundesregierung, Verkehr und Klimaschutz künftig noch mehr miteinander in Einklang zu bringen und umweltfreundliche Verkehrsmittel nachhaltig zu fördern. Lassen Sie uns daher gemeinsam einen Beitrag für ein fahrradfreundliches Klima in Deutschland leisten!

Wolfgang Tiefensee
Bundesminister für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung

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Foto: BMVBS

Ihr Einsatz – bitte!

Donnerstag, 12. März 2009

Sagen Sie 2009 „Ja!“ zum Fahrrad, liebe Leserinnen und Leser! Denn je mehr Menschen das Rad benutzen, desto sicherer und unterhaltsamer wird der Verkehr  in der Stadt und dem Klima nützt es sowieso. Wie Sie sich ganz persönlich für das Fahrrad engagieren können? Dazu geben wir Ihnen hier einige Anregungen:

Stichwort Fahrradparkplätze – Die lassen sich prima auf den ehemaligen Radwegen in Tempo-30-Straßen einrichten, wenn Sie sich dafür einsetzen!

Sie sind Supermarktleiter und vor ihrem Geschäft stehen noch die ollen „Felgenkiller? Dann „schenken“ Sie Ihren Kunden einige von diesen praktischen Bügeln, an denen sich Fahrräder so schön anlehnen und festhalten können.

Sie sind Betriebsleiter? Dann sind Sie bestimmt im nächsten Jahr gemeinsam mit ihren MitarbeiterInnen bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ dabei. Wie Sie Ihre Belegschaft dazu motivieren können, wissen Sie selbst sicher am besten. Gute Voraussetzungen: Umkleideräume und überdachte Abstellmöglichkeiten und viel Enthusiasmus! Wie wäre es mit (neuen) Diensträdern?

Sagen Sie doch einmal Ihrem Bürgerschaftsabgeordneten oder Beiratsvertreter wie sehr Ihnen die Förderung des Radverkehrs am Herzen liegt – in Ihrer Straße, in ihrem Viertel oder in der Innenstadt. Und wenn Sie das mit Freunden oder Nachbarn gemeinsam tun – umso besser!

Sie haben noch nie eine Fahrradreise gemacht? Dann verzichten Sie doch einfach mal auf die Nerverei am Flughafen und setzen sich gleich vor Ihrer Haustür aufs Fahrrad! Ihr Urlaub beginnt sofort.

Sie haben es satt „Mama-Papa-Taxi“ zu sein? Begeistern Sie Ihre Kinder fürs Fahrradfahren – vielleicht indem Sie sich in der Schule fürs Fahrradpooling einsetzen?

Wie wäre es im kommenden Frühjahr mit einer Fahrradtour – einschließlich Picknick im Grünen – gemeinsam mit Ihren Nachbarn?

Und vielleicht treten Sie sogar in den ADFC ein.

Wir Bremerinnen und Bremer machen Bremen fahrradfreundlich.

Ludger Koopmann

Ludger Koopmann ist Vorsitzender des ADFC Landesverband Bremen


Der radelnde Installateur beweist: es geht ohne Auto!

Freitag, 27. Februar 2009

Er ist ein Unikum und gleichzeitig der Beweis: der radelnde Installateur Theodor Rhöm aus dem Bremer Viertel saniert Häuser, baut Heizungen und Sanitäranlagen – alles ohne Auto!
Und das geht bereits seit 9 Jahren gut.

Die Sorge der Handwerkskammer Bremen, dass die Handwerksbetriebe durch die neue Umweltzone existentiell bedroht würden, betrifft den radelnden Installateur gar nicht. Mit seinem Null-Emissionen-Fuhrpark (vier Lastenrädern und ein Liege-Dreirad mit Hänger) haben Theodor Rhöm und seine beiden Mitarbeiter keine Probleme mit Plaketten, Parkplätzen und Stau. Dabei ist sein Aktionsradius weit: bis nach Gröpelingen im Westen, Grolland im Süden, Osterholz im Osten und Horn-Lehe im Norden.

Das TV-Magazin Buten und Binnen hat ihm am 10. Februar 2009 einen Beitrag gewidmet.
Und vielleicht kommt der eine oder andere Bremer Handwerksmeister mal ins Grübeln, wie sich seine Fahrzeugflotte günstiger erneuern lässt …

In Buten und Binnen: „der radelnde Installateur“