Katastrophale Planung am Ostertorsteinweg - offener Brief an Staatsrat Wolfgang Golasowski

Freitag, 29. Februar 2008

Guten Tag, Herr Golasowski!
Guten Tag die übrigen am Radverkehr Interessierten!

Offenbar sind die Hinweise und Vorschläge der betroffenen BürgerInnen und Bürger zur Situation am Ostertorsteinweg zwar ge- aber nicht erhört worden. Die Gründe dafür entziehen sich meiner Kenntnis bzw. sind für mich nicht nachvollziehbar.

Der “Streit” wurde in der Presse ja oft auf das Thema “Kopfsteinpflaster” contra “Asphalt” reduziert.
Dabei gibt es ja auch die wichtige Komponente der Aufteilung des Straßenraums. Dass es dort zu keinem Kompromiss kam, ist mir noch unverständlicher, hierbei sind neben den RadfahrerInnen die FußgängerInnen die benachteiligste Gruppe.
Denn der (gutgemeinte) Kampf des Beirats für einen 90 cm breiten Streifen neben den Schienen für den Radverkehr ist sinnlos, ja sogar gefährlich für die RadfahrerInnen, die dort fahren werden (der Großteil wird es tun, weil das Kleinpflaster das kleinere Übel ist - wäre der Belag zwischen den Schienen besser, würde heute schon der Großteil dort radeln). Durch das Befahren dieses Streifens kann der vorgeschriebene/empfohlene Sicherheitsabstand zum rechten Fahrbahnrand bzw. den dort parkenden Autos nicht mehr eingehalten werden.

Zur Erläuterung:
Die laufende Rechtsprechung geht davon aus, daß Radfahrer im Normalfall einen Sicherheitsabstand von 80 bis 100 cm zum Fahrbahnrad und zu parkenden Fahrzeugen einhalten sollten (BGH, Az. VI ZR 66/56 und LG Berlin, Az. 24 O 466/95)
Die vorliegende Planung verführt also RadfahrerInnen zu selbstgefährdendem und verkehrswidrigem Verhalten!

Dass Beiratsmitglieder, die zu Hobby-VerkehrsplanerInnen werden, nicht sämtliche Vorschriften kennen, ist leider nicht zu vermeiden. Dass dieser Plan aber so durch die zuständige Fachbehörde umgesetzt werden soll, ist erschreckend.

Durch Verzicht auf den jeweils 90 cm breiten Streifen links und rechts der Schienen würde nicht nur das Radfahren sicherer, sondern der Platz für Gehwege deutlich breiter. Neudeutsch nennt man das eine Win-Win-Situation.
Im Übrigen haben die StraßenbahnfahrerInnen der BSAG die strikte Anweisung, keine Radfahrerinnen im betroffenen Bereich zu überholen. Radverkehr zwischen den Schienen würde sich daher auf den Straßenbahnverkehr nicht negativ auswirken.

Mit nachdenklichen Grüßen,

Tobias Wolf,
stellvertretender Vorsitzender des ADFC Bremen