
Senator Dr. Reinhard Loske (links) und ADFC-Vorsitzender Ludger Koopmann vor den zusätzlichen Fahrradständern in der Martinistraße.
Im Rahmen des „Fahrradfreundlichen Kirchentages“ wurden vom 20. bis 24 Mai insgesamt 2.000 temporäre, zusätzliche Fahrradparkplätze eingerichtet: 1.000 Plätze rund ums Messegelände und weitere 1.000 in Innenstadt und Überseestadt. Auch in der Martinistraße waren zwei Fahrspuren gesperrt, sodass über 300 Fahrräder an diesem zentralen Platz sicher parken konnten.
Jetzt gehören die leicht transportablen Fahrradständer der Freien Hansestadt Bremen. Gemeinsam mit den Ortsämtern will der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa entscheiden, wo die Fahrradständer dauerhaft aufgestellt werden. ADFC-Vorsitzender Ludger Koopmann: „Ich freue mich, dass die Bremer Radfahrerinnen und Radfahrer endlich mehr sichere Fahrradparkplätze bekommen“.
Der Fahrradfreundliche Kirchentag war auf Initiative des ADFC Bremen, der Kirchentagsorganisatoren und des Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa entstanden. Unter anderem wurden vom 20. bis 24. Mai 1000 eigens hergestellte Kirchentagsräder bereitgestellt und verkauft. Zusätzlich standen 600 gebrauchte und aufgearbeitete Leihräder zur Verfügung, es gab einen fahrradfreundlichen Kirchentagsstadtplan und vieles mehr. Das Projekt „Fahrradfreundlicher Kirchentag“ wurde Anfang Mai in Berlin mit dem Deutschen Fahrradpreis „best for bike“ ausgezeichnet.
Ob Bremen auch ohne den Kirchentag eine fahrradfreundliche Stadt sei, wurde Wilhelm Hamburger, Referent für Radverkehr des Bremer Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa von der regionalen Fahrradzeitung pedal gefragt. Dazu äußerte er sich ausführlich:

In Bremen immer willkommen: Rad fahrende Gäste
Die Gastgeberstadt des Kirchentags fährt Fahrrad …
Radfahren hat in Bremen eine lange Tradition. Die BremerInnen legen 22 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück.
Damit liegt Bremen an der Spitze aller deutschen Großstädte über 500.000 Einwohner. 350 000 Radfahrten pro Tag prägen Bremen als Fahrradstadt”.
… hat über 650 Kilometer Fahrradwege
Bremen verfügt über eines der dichtesten Radwegenetze überhaupt: 650 Kilometer ausgewiesene Radwege, davon 84 Kilometer abseits von Straßen und zusätzlich zahlreiche Verbindungen auf Wegen ohne nennenswerten Autoverkehr.
Diese Infrastruktur ist über Jahrzehnte gewachsen. Als andernorts Radwege zugunsten von Kfz-Spuren und Parkplätzen zurückgebaut wurden, hat Bremen neue Radwege gebaut. Viele der Planer und politischen Entscheidungsträger sind selbst alltägliche Fahrradnutzer. Prominentestes Beispiel dürfte wohl nach wie vor der ehemalige Bürgermeister Henning Scherf sein.
...öffnete früh Einbahnstraßen für Radfahrer
Bremen hatte zu Beginn der 80er Jahre eine Vorreiterrolle bei der Öffnung von Einbahnstraßen für gegenläufigen Radverkehr und bei der Einführung der Fahrradstraße. Inzwischen wurden in fast allen Tempo-30-Gebieten die Einbahnstraßen geöffnet.
Zusätzlich gibt es über 20 Fahrradstraßen.
…hat die Fahrradparkplätze im Blick
Die Bremer Landesbauordnung schreibt bei Wohn- und Geschäftsbauten die Einrichtung von Fahrradstellplätzen vor, abhängig von der geplanten Nutzung. Die Parkhausgesellschaft BREPARK richtete in und an Parkhäusern Fahrradstellplätze ein.
Am Hauptbahnhof hat die BREPARK 2003 die Fahrradstation und ein Fahrradparkhaus mit insgesamt fast 2.000 bewachten Plätzen erbaut. Der ADFC Landesverband betreibt inzwischen diese Radstation gemeinsam mit einem Fachhändler für den Reparatur- und Verleihservice. Das gilt auch für die 2008 eröffnete Radstation am Bahnhof Vegesack.
Im Stadtgebiet stehen mehrere Tausend öffentliche, leicht zugängliche Fahrrad-Anlehnbügel, an die beide Laufräder und der Rahmen anschließbar sind.
…sorgt für Orientierung
Ende 2005 kam der aktualisierte Radverkehrsplan in den Buchhandel und ist als Radroutenplaner auch im Internet verfügbar. Über www.bremen.de und über www.verkehrsinfo.bremen.de sind die Informationen zum Fahrradfahren in Bremen abrufbar.
… kann immer noch fahrradfreundlicher werden.
Dass es auch in Bremen Schwachstellen in der Infrastruktur gibt, soll nicht verschwiegen werden. Für manche Sanierung fehlt das Geld. Es gibt natürlich auch unterschiedliche Auffassungen darüber, was für die Fahrradfahrer am besten wäre.
Dass der Radverkehr bei Planungen vergessen wird, kann in Bremen allerdings kaum passieren.
Manchmal darf Bremen allerdings noch etwas innovativer werden: Positive Beispiele sind die Radfahrstreifen in der Wachmannstraße und in der Hamburger Straße. Das Erreichte sollte und wird immer wieder Ansporn sein, es zu übertreffen.
Auch und gerade aus Anlass des heute stattfindenden „Tag der Nachbarschaft“ sei der Wunsch Wilhelm Hamburgers hervorgehoben: Die fahrradfreundlichen Errungenschaften in der Stadt Bremen sollen Ansporn zu Besserem sein. Denn in Straßen mit mehr menschlichem Begegnungsraum und weniger motorisiertem Verkehr, haben die Anwohner/innen laut einer Studie der University of the West of England bis zu 75% mehr Freunde.
______________________________
Foto oben: Senats-Pressestelle
Foto unten: Hannah Grundey